Die Sache eines Augenblicks

Ausstellungsansicht Die Sache eines Augenblicks, Galerie Tobias Naehring, 2021

Die Sache eines Augenblicks

Ausstellungsansicht Die Sache eines Augenblicks, Galerie Tobias Naehring, 2021

Die Sache eines Augenblicks

Ausstellungsansicht Die Sache eines Augenblicks, Galerie Tobias Naehring, 2021

Die Sache eines Augenblicks

Ausstellungsansicht Die Sache eines Augenblicks, Galerie Tobias Naehring, 2021

Die Sache eines Augenblicks

Ausstellungsansicht Die Sache eines Augenblicks, Galerie Tobias Naehring, 2021

Die Sache eines Augenblicks

Ausstellungsansicht Die Sache eines Augenblicks, Galerie Tobias Naehring, 2021

Die Sache eines Augenblicks

Ausstellungsansicht Die Sache eines Augenblicks, Galerie Tobias Naehring, 2021

DIE SACHE EINES AUGENBLICKS, 2021

Galerie Tobias Naehring

Einzelausstellung

2021

Fotos von Jamal Casaré and Sabine Hornig



"– Nie werde ich von euch allen genug haben, sagte Sara, nie.
– Ach weißt du, sagte Diana, das ist die Sache eines Augenblicks, oft eines ganz kurzen Augenblicks."

  • Marguerite Duras, Die Pferdchen von Tarquinia, 1953 -

Dieser kurze Dialog beschreibt ein plötzliches Erkennen, das durch ein Wort, einen Blick oder eine Wiederholung ausgelöst wird und eine Wendung herbeiführt.

Innerhalb eines Augenblicks fallen mehrere Dinge zusammen und verändern den Blick auf das Gewohnte. Aus dem kurzen Blick kann jedoch auch ein langanhaltender, ein nicht endender werden, wenn er sich in der Gegenwart mit Schichten aus dem Gedächtnis überlagert. Im langen Blick, dem Schauen, steckt dann die ewige Erinnerung an den kurzen Augenblick.

In der Arbeit von Sabine Hornig fallen auf subtile Weise Bild und Skulptur, Perspektiven und Zeiten zusammen. Ihre Skulpturen und Fotografien – oft profane, leicht zu übersehende Architekturen oder vom Stadtraum aus aufgenommene Schaufenster – staffeln Schichten vor- und übereinander, die das Historische und das Erinnerte erahnen lassen, um es in einem einzigen Blick zusammen mit dem Neuen in der Jetztzeit ans Licht zu bringen.

So auch in den zwei Blumenstillleben in der Galerie Tobias Naehring, die jeweils im quadratischen Rahmen auf einem Stativ stehen.

Stativ II zeigt eine Vase mit Blumen in einem von außen fotografierten Fenster. Im Hintergrund ist die Spiegelung eines Gebäudes mit kleinen Fenstern zu erkennen. Das Bild ist mit einer Glasscheibe rahmenlos verbunden, der Bildrahmen ist kein Bilderrahmen, sondern begrenzt als fotografierter Fensterrahmen das Bild. Dieses hängt nicht an der Wand, sondern steht vor der Wand auf dem Stativ aus Metall, das an ein Fotostativ erinnert.

Die hochrealistischen Blumenstillleben in den Vasen treten vor die Wand und aus dem Rahmen heraus. Sie werden umgehbar. Tritt man näher heran, erkennt man, dass das Bild transparent ist, ein Diapositiv, und so von beiden Seiten aus betrachtet werden kann. Ohne eine Rückseite wirft das Bild mit zwei Vorderseiten einen Schatten in den Raum.

Das im Foto eingefrorene Stillleben auf dem Stativ, wie es hier als gläsernes Objekt janusköpfig im Raum steht, ist ein Paradox: Seine zwei Seiten – jede spiegelverkehrt zur anderen – ermöglichen ein Voraus- und ein Zurückblicken und damit die Durchsicht in den Raum.

Der dunkle Hintergrund von Stativ II und die malerisch welken Blätter erinnern an Blumenstillleben aus dem 17. Jahrhundert. Anstatt sich jedoch den Betrachtenden vollständig zu öffnen, wenden sich alle Blütenkelche von ihnen ab und dem dunklen Bildinnenraum zu.

Nachtfenster II thematisiert die veränderten Wahrnehmungen von Zeit und Räumen in Zeiten des pandemischen Lockdowns.

Ein frei stehender Rahmen deutet ein großes Fenster an. Er hält eine diagonal zu ihm stehende dunkel bedruckte Glasscheibe wie eine offene Tür. In ihren Proportionen entsprechen der Rahmen und die Scheibe der Tür und dem Fenster einer Wohnung. Sie markieren die Schwelle zwischen Innen und Außen.

Auf der Glasscheibe sind in vielen kleinen Fenstern unterschiedlich hell beleuchtete Räume zu erkennen, in denen Menschen nebeneinander leben. Von beiden Seiten kann man durch die Fenster und durch die kleinen Räume dahinter hindurchsehen. Die Ansicht der sich in ihren Interieurs nebeneinander bewegenden Menschen erzeugt ein Bild von der individuellen und der kollektiven Erfahrung des Moments.